ERP-Consultant - Definition und Aufgaben

11. Oktober 2022

Lesezeit: 6 Min

COBUS ConCept

ERP Consultant, COBUS ConCept GmbH

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ERP Consultants sind Experten für ERP-Software (Enterprise Resource Planning Software). Sie unterstützen Unternehmen dabei, Systeme dieser Art erfolgreich einzuführen oder bestehende Lösungen weiterzuentwickeln. Dabei übernehmen die Spezialisten verschiedene Aufgaben. Hierzu zählen beispielsweise die Analyse bestehender Prozesse, die Abstimmung mit den Fachabteilungen und der IT, die ERP-Auswahl, die Konfiguration und die Entwicklung von individuellen Funktionsbausteinen. Auch die System-Einführung, Tests, Datenmigrationen und Schulungen von Mitarbeitern werden häufig durch einen Consultant unterstützt. Einen Unterschied zwischen ERP Consultant (englisch) und ERP-Berater (deutsch) gibt es in der Praxis nicht. Beide Begriffe werden meist synonym verwendet.

Welche Arten von ERP Consultants gibt es?

Consultants aus dem ERP-Bereich lassen sich in verschiedene Arten einteilen. Dies geschieht anhand des Arbeitgebers, bei dem der ERP-Berater als Mitarbeiter beschäftigt ist. Aus dieser Kategorisierung ergeben sich folgende Gruppen:

  • ERP-Berater eines Software-Herstellers (Consultant ist Mitarbeiter bei einem ERP-Anbieter)
  • ERP Consultant aus dem klassischen Beratungsbereich (Consultant ist Mitarbeiter bei einem Beratungsunternehmen)
  • Inhouse-ERP-Berater (Berater ist Mitarbeiter im Anwender-Unternehmen)

In diesem Artikel möchten wir insbesondere auf die letzten beiden Gruppen näher eingehen. Es folgen daher Details zu diesen Kategorien.

ERP Consultant im Beratungsunternehmen

In der unabhängigen ERP-Beratung finden sich oftmals Akademiker aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Häufig werden die Experten von Unternehmen herangezogen, um strategische Aufgabenstellungen zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Definition von IT- und ERP-Strategien
  • Abstimmung mit dem Management
  • Konzeption von Organisationslösungen
  • Definition von Anforderungen an das ERP-System auf Basis der Geschäftsprozesse
  • Unterstützung bei der Optimierung von Geschäftsprozessen
  • Erstellen von ERP-Lastenheften
  • Beratung bei der Auswahl einer geeigneten ERP-Software
  • Einbringen von Berufserfahrung, Know-how und Best Practices
  • Nachdem Mitarbeiter von unabhängigen ERP-Beratungsunternehmen zahlreiche Projekte in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen begleiten, verfügen sie oft über viel Erfahrung. Sie wissen daher aus ihrem oft langjährigen Job, wie Prozesse und Systeme idealerweise ausgelegt werden, um ihren maximalen Nutzen zu entfalten.

    Um den Beruf des unabhängigen ERP-Beraters gut auszufüllen, sind außerdem einige spezielle Fähigkeiten erforderlich. Zu nennen sind:

    • Verständnis und Lösungsfähigkeit für Business Cases
    • Analytisches und methodisch professionelles Vorgehen
    • Erfahrung im Projekt-Management
    • Gezielte Nutzung von Präsentationstechniken
    • Kommunikationsstärke

    Bei der Auswahl eines externen ERP-Beraters sollten Unternehmen darauf achten, dass der Kandidat über genügen Berufserfahrung und Wissen in der entsprechenden Branche verfügt. Dies gilt vor allem, wenn Prozesse im Rahmen einer ERP-System-Einführung weitreichend verändert bzw. optimiert werden sollen.

    Im Übrigen richtet sich auch das Gehalt eines ERP Consultants nach seiner Erfahrung. Entsprechend kommen auf einen Kunden höhere Kosten zu, wenn es sich um einen Senior-Berater handelt.

    ERP-Berater eines Software-Anbieters

    Jeder ERP-Anbieter beschäftigt eigene Consulting-Mitarbeiter, um Kunden optimal betreuen zu können. Meist handelt es sich um akademisch ausgebildete Personen, die aus Bereichen wie dem Wirtschaftsingenieurwesen, der Betriebswirtschaft oder der Logistik kommen. Doch auch IT-affine Verkäufer üben diesen Beruf aus. Vor dem Einsatz werden die Berater in der Regel intensiv an der Business-Software oder einer ihrer Module ausgebildet. Durch diese tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Produkt ist es möglich, Kunden des Softwareherstellers fundiert zu beraten.

    Die erste Aufgabe besteht meist darin, den Verkauf zu unterstützen und entsprechende Präsentationen zu begleiten. Dies gilt vor allem bei Mitarbeitern, die eine gute Präsentations- und Argumentationstechnik beherrschen. Weiterhin übernehmen ERP-Berater von Softwareunternehmen folgende Tätigkeiten:

    • Darstellung der Fähigkeiten der Software
    • Beratung zu speziellen Anforderungen an die Softwarelösung
    • Einbringen von Best Practices aus anderen Kundenprojekten ("Wie haben andere Unternehmen das Problem XY gelöst?")
    • Abstimmung der Anforderungen
    • Erstellen von Pflichtenheften
    • Zentraler Ansprechpartner in der Implementierungsphase (Installation, Konfiguration, Datenmigration etc.)

    Gute Berater von ERP-Anbietern implementieren nicht einfach nur die funktionale Lösung ihrer Software, sondern hinterfragen auch die bestehenden (bzw. geforderten) Prozesse kritisch. Dies hat zum Ziel, das eigene Know-how einzubringen, um im Rahmen der ERP-Implementierung gleichzeitig eine Prozessoptimierung zu erreichen.

    ERP Inhouse Consultant

    Inhouse ERP Consultants sind interne Mitarbeiter von Unternehmen. Ihr Akademisierungsgrad ist durchschnittlich etwas geringer als der von externen Spezialisten. Gleiches gilt für ihr Gehalt. Dennoch handelt es sich um wertvolle, meist sehr erfahrene Mitarbeiter, die entweder aus der IT oder einem Fachbereich kommen. In letzterem Fall kann der Experte im Rahmen einer ERP-System-Implementierung aktiv Prozessabbildungen und -optimierungen unterstützen.

    Im Allgemeinen haben Mitarbeiter der internen ERP-Beratung folgende Tätigkeitsschwerpunkte:

    • Anforderungen aus dem Fachbereich sammeln, artikulieren und Umsetzung priorisieren
    • Abstimmung mit den Endanwendern
    • Fortlaufende Information der Abteilungen bei Veränderungen
    • Verbesserungspotenziale innerhalb der Business-Prozesse identifizieren
    • Schulungskonzepte erarbeiten
    • Bei Systemberatern: Optimierung der ERP bzw. IT-Infrastruktur
    • Fehler schnell beseitigen
    • Testszenarien aufbauen
    • Vorhandene Software auf neue Versionen migrieren
    • Kommunikation mit dem System-Lieferanten

    Abgrenzung zum ERP Manager

    Der ERP Manager ist stets ein interner Mitarbeiter und muss vom ERP-Berater abgegrenzt werden. Zwar übernimmt auch er Beratungsaufgaben, seine Tätigkeiten sind jedoch umfangreicher. Er entwickelt individuelle ERP-Konzepte, begleitet ihre Implementierung und optimiert zudem den laufenden Betrieb des Systems. Weiterhin stellt er Projektpläne auf und sorgt dafür, dass Zeit- und Budgetvorgaben bei ERP-Einführungen eingehalten werden. Ebenso hilft der wichtige Mitarbeiter dabei, Compliance-Vorgaben einzuhalten.

    Vorteile eines ERP Consultants

    Zwar erhalten Consultants für ERP-Systeme ein hohes Gehalt und verursachen für Unternehmen damit bestimmte Kosten. Dennoch handelt es sich um wertvolle Mitarbeiter, weshalb sich entsprechende Investitionen in der Regel auszahlen. Unter anderem entsteht durch professionelles Consulting folgender Mehrwert für Unternehmen:

    • Bessere Analyse und Definition der Anforderungen
    • Professionelle Auswahl einer geeigneten ERP-Software (guter Marktüberblick)
    • Sicherstellung eines problemlosen Projektverlaufs
    • Unterstützung bei der Verbesserung von Prozessen mithilfe von Best Practices
    • Langfristige Wettbewerbsvorteile durch verbesserte Abläufe